90 Jahre Turngemeinde Essen-West
Die frühe Geschichte der Turngemeinde Essen-West steht in enger Verbindung mit dem Namen Krupp. Im Jahre 1910 gründeten 2 Gruppierungen von Krupp-Mitarbeitern unabhänigig voneinander den Turnverein "Götz" und den Turnverein "Roland", die zunächst einige Jahre unabhängig voneinander agierten. 

Neben dem Turnen wurden hier nach und nach auch andere Sportarten betrieben, angefangen mit Faustball, Fußball und Schwimmen, und durch das breite Angebot entwickelten sich beide Vereine in dieser Zeit recht schnell.

Bedingt durch den ersten Weltkrieg gab es dann natürlich einen kleinen Einbruch, doch das änderte sich danach sehr schnell wieder. Im Jahr 1919 vereinigten sich die beiden Ursprungsvereine "Götz" und "Roland" unter dem Namen Kruppsche Turngemeinde Essen 1910 und leiteten damit einen massiven Aufschwung ein; schon bald hatte der neue Verein über 650 Mitglieder. Es wurden immer mehr zusätzliche Sportarten angeboten wie Leichathletik, Handball, Korbball, Schlagball, Tennis, Paddeln, Skilauf, Wandern und später auch Tischtennis.

Die sportlichen Erfolge der KTG konnten sich ebenso sehen lassen. So belegte die Faustballmannschaft bei den Deutschen Meisterschaften im Jahr 1921 den 3. Platz und nahm auch in der Folge noch mehrfach an Deutschen Meisterschaften teil. Auch die Fußballer waren sehr erfolgreich und errangen im Jahr 1929/30 sogar die Deutsche Fußballmeisterschaft der Turner, die in diesem Jahr noch separat ausgespielt wurde. Aber auch in den übrigen Sportarten machten sich die Kruppsche Turngemeinde bzw. ihre Mannschaften und Sportler im Laufe vieler Jahre einen Namen, auch über die Grenzen der Stadt Essen hinaus.

Vereinszeitung 
Kruppsche Turngemeinde 1931

Parallel dazu entwickelte sich im Nazi-Deutschland die Betriebs-Sport-Gemeinschaft Krupp sehr stark und wurde letztendlich erheblich größer als die KTG. Für das Jahr 1939 beschlossen die Mitglieder beider Vereine die Fusion der KTG mit der BSG Krupp zur Wettsportgemeinschaft Krupp. Eine solche Vereinigung wurde jedoch vom damaligen Amt für Leibesübungen aufgrund der Satzung der BSG abgelehnt, die vorschrieb, daß nur Krupp-Angehörige Mitglieder sein könnten. Damit hätte die KTG zum einen die 40% der nicht bei Krupp beschäftigten Mitglieder und zum anderen ihre starke Jugendabteilung nicht mit einbringen dürfen. Unter diesen Umständen lehnten die Mitglieder der KTG die Vereinigung anschließend dann doch ab. Weitere Verhandlungen wurden durch den zweiten Weltkrieg endgültig unterbrochen.

Mit Ausbruch des Kriegs wurde die positive Entwicklung der KTG jäh unterbrochen. Durch die Einberufung des größten Teils der männlichen Mitglieder zum Wehrdienst und Beschlagnahmung der Sportstätten wurden die Möglichkeiten so eingeschränkt, daß der Spielbetrieb teilweise nur durch Spielgemeinschaften mit Nachbarvereinen aufrecht erhalten werden konnte.

Der Neubeginn nach dem Krieg war verständlicherweise noch schwieriger, weil zum einen an der Stelle der früheren Sportstätten nur ein großer Trümmerhaufen lag, vor allem aber, weil viele Vereinsmitglieder ums Leben gekommen waren. Genaue Zahlen sind nicht feststellbar, da alle Geschäftsunterlagen durch die Kriegseinwirkungen verbrannt sind. 

Dennoch machten sich einige Unentwegte unter größten persönlichen Opfern daran, den alten Platz wieder aufzubauen. So war man nicht weiter auf die Spielgemeinschaften aus der Kriegszeit angewiesen und schaffte die Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Sportbetriebs noch im Jahr 1945. Dieses mußte noch vom Stadtkommandanten genehmigt werden, allerdings mit der Vorgabe, den alten mit dem Namen Krupp verbundenen Vereinsnamen abzulegen.

So mußte ein neuer Name her. Die Wahl fiel auf den Namen Turngemeinde Essen-West 1910 e. V., weil dieser dem früheren Namen am nächsten kam. Die Verbundenheit zu solchen Traditionen führte auch dazu, daß aus der alten Kurzbezeichnung "KTG" die neue etwas unverständliche Version "TGD" abgeleitet wurde. Im Jahr 1946 folgte unter Beibehaltung des Namens Turngemeinde Essen-West der Zusammenschluß mit dem Verein Tuspo Essen, der sich aus den inzwischen stark dezimierten Restbeständen der BSG Krupp rekrutierte und aus o. g. Gründen ebenfalls hatte umbenannt werden müssen.

Infolge der Kriegseinwirkungen konnten einige Sportarten nicht mehr durchgeführt werden, und das hatte zur Folge, daß einige Abteilungen entweder gleich auf der Strecke blieben oder andere später mangels Masse aufgelöst wurden.

In den verbliebenen Sportarten setzte die neue TGD ihre Entwicklung jedoch auf großer Breite fort. Dabei wurden die Prioritäten stets auf Breitensport und Jugendarbeit gesetzt, ohne allerdings den Leistungsgedanken aus den Augen zu verlieren, sodaß auch in allen Bereichen beachtliche Erfolge erzielt wurden. Besonders erwähnenswert waren wie schon vor dem Krieg die Erfolge der Ballspielabteilungen und die vielen erfolgreichen Teilnahmen an den Deutschen Turnfesten.

Einige weitere Sportarten wie beispielsweise Tischtennis und Handball sind dann im Laufe der Jahre in unserem Verein leider ebenfalls von der Bildfläche verschwunden, aber ein harter Kern der zufällig auch ältesten Abteilungen der Vereinsgeschichte hat sich bis zum heutigen Tag mit starkem Engagement behauptet.

Heute besteht die Turngemeinde Essen-West aus 4 Abteilungen mit den traditionellen Sportarten Turnen, Fußball und Faustball sowie inzwischen seit einigen Jahren auch Volleyball. Mit ca. 300 Mitgliedern im Seniorenbereich und 200 Mitgliedern bei den Kindern und Jugendlichen zählen wir sicher nicht zu den Großvereinen. Allerdings spiegeln diese Zahlen wieder, daß die Jugendarbeit nach wie vor einen großen Stellenwert hat. Diese Mitgliederstruktur und die daraus nicht ersichtlichen vielfältigen Vereinsaktivitäten beweisen, daß die TGD sich nach wie vor erfolgreich bemüht, einer breiten Schicht die Möglichkeit zu geben, sich sportlich zu betätigen.

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